Beseelte und Unbeseelte

Man sieht ihnen ihr Alter wirklich nicht an: Diese drei Gartenzwerge sind aus den 30er Jahren, aus gebranntem Ton, mit roten Zipfelmützen ausgestattet und ca. 15 cm groß. Jeder Gartenzwerg-Purist oder -Experte wäre über ihren Anblick hocherfreut und würde sie direkt als „beseelt“ anerkennen.

An den „unbeseelten“ Gartenzwergen scheiden sich jedoch die Geister: PVC ist als Material ohnehin verpönt, gelbe und blaue Zipfelmützen werden nicht gerne gesehen. Immerhin entsprechen diese drei Exemplare in Größe und Geschlecht den Anforderungen der Gartenzwerg-Experten.

 

Der Deutschen liebster Zwerg

Natürlich darf auch er in unserer Ausstellung nicht fehlen: der Gartenzwerg! Seinen ersten offiziellen Auftritt hatte er 1898 auf der Leipziger Messe, seine Geburtsstätte liegt jedoch in Thüringen. Im dortigen Gräfenroda wurden 1872 gleich zwei Unternehmen gegründet, die sich seiner Produktion verschrieben. Bis heute ist diese Herkunft ein Markenzeichen für besondere Qualität.

Innerhalb der Zwergenforschung nehmen die Gartenzwergexperten eine Sonderstellung ein. Auch ihre Erkenntnisse füllen ganze Bücherregale. In einem Punkt sind sie sich einig: Es gibt die „beseelten“ Gartenzwerge aus gebranntem Ton und die „unbeseelten“ aus PVC. Als Regel gilt auch, dass sie maximal 69 cm groß sein dürfen, eine Zipfelmütze tragen müssen und männlich sind. Alle andere Varianten, also Politikerzwerge, Dominas, Mordopfer etc. sind bei den Puristen verpönt – erfreuen sich jedoch allgemein großer Beliebtheit.

1996 trat in Frankreich erstmals die Front de Libération des Nains de Jardin auf den Plan. Kurz darauf wurden auch in Deutschland Entführungen im Namen der Front zur Befreiung der Gartenzwerge gemeldet: Deren Aktivisten plünderten Vorgärten und arrangierten die entführten Zwerge an anderen, meist abgelegenen Orten neu. Auch in der Schweiz, Italien, Spanien und selbst in Nordamerika wurden solche Vorkommnisse gemeldet. In den meisten Fällen erhielten die Besitzer eine Nachricht, wo sie die Zierde ihres Garten wiederfinden konnten.

In der komplett mit Kunstrasen ausgeschlagenen Station finden Besucher diese sowie viele weitere Informationen. Sie entdecken auf der einen Seite Höhepunkte aus der  115-jährigen Geschichte der Gartenzwerge, auf der anderen eine Auswahl besonders origineller oder ausgefallener Exemplare.

Zwei weitere Vitrinen zeigen die fleißigen Helfer im Haushalt. Und die reichen von einem Fön, der Gnom heißt, über den Staubsauger Kobold bis hin zum Schüttelbecher Rumpelstilzchen. Besucher werden überrascht sein, wie viele dieser Alltagsgegenstände ihnen wie selbstverständlich bekannt sind – bisher jedoch oftmals übersehen wurden.