Sagen aus Hagen: Der Schleifkotten

„Früher gab es an der Ennepe nahe Hagen viele kleine Schleifwerkstätten, in denen Sensen, Sicheln, Schwerter und Messer hergestellt und nachgeschliffen wurden. Hierzulande wurden sie Schleifkotten genannt; große Wasserräder sorgten dafür, dass sich die Schleifsteine drehten.

In einem dieser Schleifkotten ging der Meister morgens zur Arbeit. Nachdem er das Wasserrad in Bewegung gesetzt hatte, griff er nach den Sensen und Sicheln – und griff ins Leere. Er suchte den ganzen Raum ab und fand sie schließlich aufgeräumt an einer Wand stehen: Sie waren bereits fertig geschliffen.

Lange Zeit überlegte er, wer diese Arbeit wohl erledigt hatte, fand jedoch keine Erklärung. Am nächsten Morgen ging es ihm ebenso: Alle Arbeit war schon getan, als er den Schleifkotten betrat. So ging es über viele Tage: Was er am Abend bereitgelegt hatte, war am Morgen glänzend und scharf geschliffen.

Das weckte mehr und mehr seine Neugierde. Und so beschloss er, sich des Nachts auf die Lauer zu legen. Er versteckte sich in einer Ecke und wartete ab. Bis plötzlich ein kleines Männchen mit langem Bart und roter Mütze den Raum betrat. Es setzte das Wasserrad in Gang und machte sich an die Arbeit.

Der Schleifermeister staunte nicht schlecht, so geschickt und schnell arbeitet das Männchen. Lange Zeit sah er ihm dabei zu. Doch dann schliefen ihm in seiner unbequemen Stellung die Beine ein. Vorsichtig veränderte er ihre Lage – und stieß dabei versehentlich gegen eine Eisenstange, die an der Wand lehnte und nun mit großem Gepolter umfiel.

Nun wusste der Zwerg, dass er beobachtet wurde. Wie der Blitz sprang er zur Tür und verschwand nach draußen. Seitdem ward er nie mehr gesehen. Und der Schleifermeister musste wieder alle Arbeit selbst machen.“

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