Sagen aus Hagen: Der Kobold in der Mühle

„In einer Mühle in Hagen lebten einst einer Müller und ein Kobold. Letzterer liebte es, dem Müller und seinen Gesellen Streiche zu spielen. Mal schnitt er Löcher in die Säcke, mal verklemmte er das Wasserrad, mal verstopfte er den Malgang. Er war schon ein übler Geselle und ein lästiger Unhold.

Oftmals grübelte der Müller, wie er den Kobold loswerden könne. In seiner Not entschied er sich, die Mühle abzubrennen – und den Kobold gleich mit. Traurig stand er vor den rauchenden Überresten des Gebäudes, als er plötzlich den Kobold neben sich hörte: „Gut, dass wir beide rechtzeitig raus kamen. Da hätten wir glatt verbrennen können.“

Der Müller baute eine neue Mühle, und der Kobold zog wieder mit ein; der Ärger ging weiter. Bis eines Wintertages ein Bärenführer mit seinem Tanzbären bei ihm auftauchte und ihn um ein Nachtlager bat. Der Müller lud ihn ein, in der guten Stube zu schlafen, doch da war für den Bären kein Platz.

Der Bärenführer schlug vor, das Tier in der Mühle zu lassen. Doch der Müller riet ab: Er befürchtete, der Kobold könne dem Bären schaden. Der Bärenführer beruhigte ihn, und so brachten beiden den Meister Petz in die Mühle.

Am Ende der Nacht erwachte der Müller, weil er ein Schreien und Poltern hörte. Unglücklich dachte er an den armen Bären. Doch als er nach ihm sah, kam ihm das Pelztier putzmunter entgegen. Nur von dem Kobold war nichts mehr zu sehen. Der Bärenführer bedankte sich für die Unterkunft und zog von dannen.

Mehr  als ein Jahr lang blieb der Kobold verschwunden. Doch eines kalten Tages ging die Tür auf, und der unliebsame Hausgast stand wieder im Raum. Er rief: „Müller, ist die große schwarze Katze noch da?“ Da antwortete der Müller mit einem unterdrückten Lachen: „Ja, sie ist noch da. Und hat sieben Junge bekommen!“ Mit einem Schrei des Schreckens rannte der Kobold von dannen und ward – zur Freude des Müllers und seiner Gesellen – nie wieder gesehen.“

Sagen aus Hagen: Der Schleifkotten

„Früher gab es an der Ennepe nahe Hagen viele kleine Schleifwerkstätten, in denen Sensen, Sicheln, Schwerter und Messer hergestellt und nachgeschliffen wurden. Hierzulande wurden sie Schleifkotten genannt; große Wasserräder sorgten dafür, dass sich die Schleifsteine drehten.

In einem dieser Schleifkotten ging der Meister morgens zur Arbeit. Nachdem er das Wasserrad in Bewegung gesetzt hatte, griff er nach den Sensen und Sicheln – und griff ins Leere. Er suchte den ganzen Raum ab und fand sie schließlich aufgeräumt an einer Wand stehen: Sie waren bereits fertig geschliffen.

Lange Zeit überlegte er, wer diese Arbeit wohl erledigt hatte, fand jedoch keine Erklärung. Am nächsten Morgen ging es ihm ebenso: Alle Arbeit war schon getan, als er den Schleifkotten betrat. So ging es über viele Tage: Was er am Abend bereitgelegt hatte, war am Morgen glänzend und scharf geschliffen.

Das weckte mehr und mehr seine Neugierde. Und so beschloss er, sich des Nachts auf die Lauer zu legen. Er versteckte sich in einer Ecke und wartete ab. Bis plötzlich ein kleines Männchen mit langem Bart und roter Mütze den Raum betrat. Es setzte das Wasserrad in Gang und machte sich an die Arbeit.

Der Schleifermeister staunte nicht schlecht, so geschickt und schnell arbeitet das Männchen. Lange Zeit sah er ihm dabei zu. Doch dann schliefen ihm in seiner unbequemen Stellung die Beine ein. Vorsichtig veränderte er ihre Lage – und stieß dabei versehentlich gegen eine Eisenstange, die an der Wand lehnte und nun mit großem Gepolter umfiel.

Nun wusste der Zwerg, dass er beobachtet wurde. Wie der Blitz sprang er zur Tür und verschwand nach draußen. Seitdem ward er nie mehr gesehen. Und der Schleifermeister musste wieder alle Arbeit selbst machen.“

Sagen aus Hagen: Der Goldberg

„Vom 226 Meter hohen Goldberg in Hagen ist bekannt, dass dort im späten Mittelalter Gold und Silber abgebaut wurden. Weniger bekannt ist, dass damals auch Zwerge dort lebten. Sie kamen erst bei Dunkelheit hervor und halfen den Menschen bei der Arbeit. Ganz besonders den Schmieden, die am Fuße des Goldbergs ihre Werkstatt hatten.

Dank der hilfreichen Zwergen ging es den Handwerkern gut: Ihre Klingen waren so scharf und so fein, dass sie überall begehrt waren. Doch mit der Zeit wurden die Schmiede gierig. Sie glaubten, dass ihre Helfer über große Mengen an Gold und Silber verfügten. Und beschlossen, sich diesen Schatz anzueignen.

Dazu legten sie sich eines Nachts auf die Lauer. Als die Zwerge die Werkstatt nach getaner Arbeit verließen, schnappten sie sich den letzten. Der bettelte um seine Freilassung. Er versprach im Gegenzug, die Schmiede in die Höhle zu führen und reich zu beschenken. Unter einer Bedingung: Unter der Erde dürften sie weder sprechen noch streiten.

Zufrieden folgen ihm die Gesellen in den Berg. Doch kaum hatten sie das viele Gold und Silber entdeckt, wollte jeder die größte Menge davon haben. Sie begannen zu schreien und zu toben. Der Zwerg schüttelte traurig den Kopf und stieß mit einem Stock an die Decke der Höhle. Die stürzte herab und begrub alle Schmiede unter sich.

Danach zogen die Zwerge weg vom Goldberg, und keiner von ihnen ward jemals mehr gesehen.“

Sagen aus Hagen: Hoppetinken

„Im Tal der Läger, nahe bei Iserlohn, lebte einst eine Spinnerin, die war geschickt und fleißig, schön und klug. Und sie war bei allen Menschen sehr beliebt. Einer aber mochte sie besonders gerne: Das war ein Zwerg, der sich mit ihr angefreundet hatte. Er half ihr bei der Arbeit, so dass sie bald Fäden spann, die fein waren, zugleich aber auch ganz fest und nahezu unzerreißbar.

Aus ihren Fäden wurde das beste Tuch im ganzen Land gewebt. Als sich das herum sprach, kamen Aufträge von weit her. Die konnte sie nur mit der Hilfe des Zwerges bewältigen. Und so saßen abends beide beisammen und blickten zufrieden auf viele Rollen schimmernden Garns.

Es war ein solcher Abend, da hielt der Zwerg um ihre Hand an. Voller Dankbarkeit sagte sie ihm zu. Doch sie bereute es schon bald. Als ihre Freundinnen alle vor den Altar traten, wollte auch sie lieber einen richtigen Menschen heiraten. In dieser Zeit wurde sie immer ungeduldiger mit dem Zwerg, der doch so eifrig für sie arbeitete.

Tag für Tag fragte sie nun nach seinem Namen. Einmal sagte sie zu ihm: „Ich möchte doch wissen, wie ich als Ehefrau heißen werde.“ Doch der Zwerg schwieg beharrlich und wurde immer stiller und trauriger.“

Als er eines Tages wieder in ihre Stube trat, rief sie voller Zorn: „Nun sag mir endlich, wie dein Name lautet. Heißt du etwa Hoppetinken?“ Da wurde der Zwerg rot vor lauter Wut und schrie sie an: „Das hat dir der Teufel gesagt!“ Direkt danach wurde er wieder still und senkte traurig den Kopf. Er verließ schweigend die Stube, ging weit weg und kehrte niemals wieder zurück.“

Sagen aus Hagen: Das Wasserlose Tal

 

 

 

 

 

 

In der zweiten Sagen aus Hagen berichten wir, wie das Wasserlose Tal zu seinem Namen kam. Denn auch daran waren die Bergzwerge nicht unschuldig.

„Vor vielen Hundert Jahren lebten sie friedlich in diesem Tal und suchten in den Höhlen und Gängen nach Edelsteinen. Eines Tages wurden sie in ihrer Ruhe gestört: Ein gewaltiges Donnern und Krachen war zu hören – als ob die Welt untergehen würde. Doch die Ursache war eine ganz andere: Ein Riese näherte sich dem Tal. Er fand einen Bach, setzte sich an sein Ufer und trank genüsslich das klare, kühle Wasser. Er war so zufrieden, dass er laut verkündete: „Hier gefällt es mir! Hier bleibe ich!“

Das hörten die Zwerge gar nicht gern. Zumal sie befürchteten, dass nach dem einen Riesen noch andere  kommen würden. Vorsichtig näherten sie sich dem Eindringling und baten ihn, doch weiter zu ziehen. Jedoch ohne Erfolg. Im Gegenteil: Der Riese war über ihre Bitte so erbost, dass er Felsbrocken auf die armen Zwerge warf.

Nun war guter Rat gefragt. Die Zwerge setzten sich zusammen und grübelten. Schließlich hatte einer der ältesten eine Idee. Und die wurde sogleich in die Tat umgesetzt: Drei Tage lang hörte man unterirdisch ein emsiges Hämmern und Klopfen. Dann war es geschafft: Das Wasser des Baches floss nicht mehr über, sondern unter der Erde.

Am nächsten Tag kam der Riese und wollte wieder aus dem Bach trinken. Wie groß war sein Erstaunen, dass dort alles trocken und öde war. Wütend schimpfte er vor sich hin, wütend verließ er das Tal und war nimmermehr gesehen.

Die Zwerge aber freuten sich, dass sie nun wieder ihre Ruhe hatten und weiter nach Edelsteinen suchen konnten. Das Tal ist zwar seitdem wasserlos. Doch wer ganz genau hinhört, der kann in stillen Nächten ein leises Gluckern und Rauschen weit unter der Erdoberfläche hören.“

 

Geglückte Premiere

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gut, dass wir früh genug in Werdringen waren. Denn die in Köln geplante Strecke für unser ortsbasiertes Spiel wurde leider durch einen Zaun unterbrochen. Glücklicherweise sind die Autorenwerkzeuge von TOTEM so leicht zu bedienen, dass wir vor Ort noch Korrekturen durchführen konnten und das Spiel nun mit dem Einfangen des Zauberkreises im Schlosshof endet.

Ein großer Dank an Jens Stubbe von der Westfalenpost, der nicht nur einen wunderbaren Artikel über das Spiel verfasst hat, sondern uns zusätzlich auch noch das schöne Foto zur Verfügung stellte.

Wir spielen in Werdingen.

Morgen ist Premiere: Nach dem Rheinpark in Köln (Kilometer 686) kann unser ortsbasiertes Spiel nun auch rund um das idyllische Wasserschloss Werdringen in Hagen genutzt werden. Vorher haben wir es noch geschafft, es im Google Playstore unterzubringen.

Doch der kürzeste Weg führt über den QR-Code:

Sagen aus Hagen: Das Hünentor

Nicht erst durch unsere Ausstellung kamen die Zwerge nach Hagen. Im Gegenteil, dort gibt es zahlreiche Sagen, die von der Existenz der kleinen Wesen berichten. Sie handeln von Berg-, Wald- und Hauszwergen. Und wir möchten sie auch in unserem Blog erzählen. Beginnen wir mit der Geschichte vom Fuchsschwanz und dem Hünentor.

„Vor vielen, vielen Jahren war ein Wanderer auf dem Weg von Köln nach Hohenlimburg.  Im Wald vor Voerde setzte er sich ermattet ans Ufer der Ennepe, als ihm ein Zwerg begegnete. Den fragte er nach dem kürzesten Weg zu seinem Ziel. Der Zwerg antwortete: „Geh einfach durch den Berg. Und nimm zu Deiner Hilfe diesen Fuchs hier mit. Halte ihn fest, er wird Dir noch gute
Dienste erweisen.“ Er sprach es und verschwand im selben Augenblick.

Der Wanderer fand seinen Weg durch Gänge, Höhlen und Felsspalten – und hielt den Fuchs stets gut an einem Schwanz fest. Als er sich dem Ziel näherte, hörte er ein Poltern und Grollen. Ganz in der Nähe des Ausgangs war gerade ein Riese aus tiefem Schlaf erwacht.

Der setzte sich auf – und schnupperte plötzlich. „Ich rieche … ich rieche … ich rieche einen Menschen. Der würde mir gut schmecken. Die beiden kleinen Hasen, die ich bisher verspeist habe, die konnten meinen Hunger nicht stillen.“ Er schnüffelte weiter und war dem Wanderer schon sehr nahe gekommen, als dieser vor Schreck den Fuchs losließ. Der rannte sofort los in Richtung Ausgang.

Der Riese glaube nun, er habe den Fuchs gerochen, und rannte dem Tier hinterher. Dabei entfernte er sich mehr und mehr von dem Wanderer, der langsam aus der Höhle ging und seinen Weg nach Hohenlimburg fortsetzte. Dort berichtete er allen von seinem Abenteuer. Und seitdem wird die Öffnung der Höhle Hünentor genannt.“