Sagen aus Hagen: Hoppetinken

„Im Tal der Läger, nahe bei Iserlohn, lebte einst eine Spinnerin, die war geschickt und fleißig, schön und klug. Und sie war bei allen Menschen sehr beliebt. Einer aber mochte sie besonders gerne: Das war ein Zwerg, der sich mit ihr angefreundet hatte. Er half ihr bei der Arbeit, so dass sie bald Fäden spann, die fein waren, zugleich aber auch ganz fest und nahezu unzerreißbar.

Aus ihren Fäden wurde das beste Tuch im ganzen Land gewebt. Als sich das herum sprach, kamen Aufträge von weit her. Die konnte sie nur mit der Hilfe des Zwerges bewältigen. Und so saßen abends beide beisammen und blickten zufrieden auf viele Rollen schimmernden Garns.

Es war ein solcher Abend, da hielt der Zwerg um ihre Hand an. Voller Dankbarkeit sagte sie ihm zu. Doch sie bereute es schon bald. Als ihre Freundinnen alle vor den Altar traten, wollte auch sie lieber einen richtigen Menschen heiraten. In dieser Zeit wurde sie immer ungeduldiger mit dem Zwerg, der doch so eifrig für sie arbeitete.

Tag für Tag fragte sie nun nach seinem Namen. Einmal sagte sie zu ihm: „Ich möchte doch wissen, wie ich als Ehefrau heißen werde.“ Doch der Zwerg schwieg beharrlich und wurde immer stiller und trauriger.“

Als er eines Tages wieder in ihre Stube trat, rief sie voller Zorn: „Nun sag mir endlich, wie dein Name lautet. Heißt du etwa Hoppetinken?“ Da wurde der Zwerg rot vor lauter Wut und schrie sie an: „Das hat dir der Teufel gesagt!“ Direkt danach wurde er wieder still und senkte traurig den Kopf. Er verließ schweigend die Stube, ging weit weg und kehrte niemals wieder zurück.“

Stroh zu Gold

Es geht weiter bei Rumpelstilzchen. Denn für unsere Ausstellung wird die Dachkammer nachgebaut, in der die arme Müllerstochter Stroh zu Gold spinnen muss und in der sie die Bekanntschaft mit dem anfangs so hilfreichen Zwerg macht. Wie das mit dem Gold genau geht – daran arbeiten wir derzeit ganz intensiv. Denn unsere Besucher sollen sich in die Lage von Rumpelstilzchen versetzen können.

Das Märchen hat die Malerin maybix inspiriert. Und so hat sie für unsere Ausstellung eine ganz eigene Variante aus Text und Bild geschaffen. Die kommt – wie könnte es anders sein – vor eine goldene Wand!

Natürlich belassen wir es nicht bei dem einen Waldzwerg, sondern stellen auch andere kleine Geister vor. Zum Beispiel die Trolle aus Norwegen, die Schlümpfe aus Belgien, die Rumpelwichte aus Schweden, den Leprechaun aus Irland und noch viele mehr.

Es rumpelt gewaltig!

Wer lebt im Wald und möchte nicht, dass man seinen Namen errät? Richtig, das ist Rumpelstilzchen. Ihn haben wir als prominenten Vertreter der Waldzwerge ausgewählt und ihm zu Ehren den dritten Raum gestaltet. Schließlich ist er einer der bekanntesten Zwerge aus den Märchen und schließlich beginnt am 20. Dezember 2012 das Märchenjahr. Dann ist es auf den Tag genau 200 Jahr her, dass der erste Band der „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm erschien.

Dabei ist die Geschichte vom Rumpelstilzchen gar keine deutsche „Spezialität“. Er ist in ganz Europa bekannt, wenn auch unter verschiedenen Namen. In Kroatien heißt er zum Beispiel Cvilidreta, in Dänemark Trillevip, in England Tom Tit Tot. In Frankreich erschien das Märchen schon mehr als 100 Jahre vor der Sammlung der Brüder Grimm unter dem Titel Ricdin-Ricdon. Und die amerikanische Filmindustrie gab ihm in dem Animationsfilm „Für immer Shrek“ sogar eine handlungsentscheidende Hauptrolle.
Hier der Trailer.

Es rumpelt noch mehr in Raum 3: Denn auch die bekannten Rumpelwichte aus „Ronja Räubertochter“ werden in der Ausstellung zu sehen sein. Fans haben ihnen auf Youtube ein kleines Denkmal gesetzt. Wir bekommen sie von einer Theaterproduktion geliehen, in der sie ebenso originell wie liebevoll gestaltet wurden.