Museumswichtel mit Weitblick

So lässt es sich leben ...

So lässt es sich leben …

Falls es jemand noch nicht mitbekommen hat: Meine Kumpels und ich sind derzeit auf Schloss Drachenburg zu Gast. Seit dem 4. Juni kann man uns besuchen … und wir bleiben bis zum 6. September hier.

Wer ein bisschen mehr über das tolle Schloss erfahren möchte, kann das hier. Also eines kann ich schon jetzt verraten: Ich fühle mich total wohl als (quasi) Fürst. Kann fast bis zum Kölner Dom hin schauen. Werde im Eingangsbereich von vielen Besucher bewundert. Habe meine Freunde in 7 Hütten und in der Wagenhalle verteilt (so dass wir uns nächtens heimlich treffen können – aber psst, nicht verraten). Was will man mehr …

Übrigens: Über weitere Besucher freue ich mich. Ob auf Schloss Drachenburg, auf Facebook oder hier im Blog. Und wenn Ihr mir Fotos von Euren „Zwergen im Alltag“ schickt, dann sorge ich persönlich dafür, dass die auch im Internet und in der Ausstellung gezeigt werden. Versprochen!

Feen und Elfen auf eigenen Wegen

Von Lillifee bis zu Dobby, von Cosmo bis zu Filly Fairy, von Tinkerbell bis zu … Cartman: Die Welt der Feen und Elfen ist so bunt und vielfältig. In unserer Ausstellung war deshalb die Installation, die wir ihnen gewidmet haben, ein Anziehungspunkt für Groß und Klein. Nun schicken wir sie – losgelöst von den Berg-, Wald- und Hauszwergen – alleine auf die Reise. Allerdings nur bis zur nächsten großen Ausstellung, bei der alle Zauberwesen wieder zusammen kommen.

Feen und Elfen Installation

Demenz-Führung weckt Erinnerungen

Wir haben das Spektrum rund um die Ausstellung erweitert und die erste Führung für Menschen mit Demenz gemacht. Es war an- und berührend, in die begeisterten Gesichter der Damen zwischen 80 und 101 zu blicken. Ihre Augen leuteten, als die Erinnerungen an Märchen und Lieder wieder ganz präsent waren.

Jens Stubbe vom der WAZ hat die Führung begleitet und zwei schöne Bilder geschossen:Demenz-Führung weckt Erinnerungen

Den Unterricht begleiten

Märchen
Zwerge – das Thema eignet sich bestens für die Klassen 1 bis 6. Da in den gängigen Foren bisher nicht sooo viele Unterrichts-Tipps und -Materialien zum Thema zu finden sind, haben wir zwei Lehrerinnen beratend hinzugezogen und ein dreistufiges Programm entwickelt, das wir nach und nach hier einstellen und auffüllen werden.

Die Ideen und Materialien sind jeweils angelehnt an ein oder mehrere Märchen. Hier der Überblick:Klasse 1 und 2 – Schneewittchen und die 7 Zwerge stehen im Mittelpunkt.
Klasse 3 und 4 – Rumpelstilzchen und seine europäischen Verwandten stellen sich vor.
Klasse 5 und 6 – Märchen auf dem Lehrplan. Deshalb widmen wir uns bei Däumeling, Daumesdick und Däumelinchen u.a. dem Unterschied von Volks- und Kunstmärchen.

Allen Lehrern und ihren Schülern viel Spaß beim „Zwergenunterricht“. Vielleicht trifft man sich mal in der Ausstellung!

Sagen aus Hagen: Der Kobold in der Mühle

„In einer Mühle in Hagen lebten einst einer Müller und ein Kobold. Letzterer liebte es, dem Müller und seinen Gesellen Streiche zu spielen. Mal schnitt er Löcher in die Säcke, mal verklemmte er das Wasserrad, mal verstopfte er den Malgang. Er war schon ein übler Geselle und ein lästiger Unhold.

Oftmals grübelte der Müller, wie er den Kobold loswerden könne. In seiner Not entschied er sich, die Mühle abzubrennen – und den Kobold gleich mit. Traurig stand er vor den rauchenden Überresten des Gebäudes, als er plötzlich den Kobold neben sich hörte: „Gut, dass wir beide rechtzeitig raus kamen. Da hätten wir glatt verbrennen können.“

Der Müller baute eine neue Mühle, und der Kobold zog wieder mit ein; der Ärger ging weiter. Bis eines Wintertages ein Bärenführer mit seinem Tanzbären bei ihm auftauchte und ihn um ein Nachtlager bat. Der Müller lud ihn ein, in der guten Stube zu schlafen, doch da war für den Bären kein Platz.

Der Bärenführer schlug vor, das Tier in der Mühle zu lassen. Doch der Müller riet ab: Er befürchtete, der Kobold könne dem Bären schaden. Der Bärenführer beruhigte ihn, und so brachten beiden den Meister Petz in die Mühle.

Am Ende der Nacht erwachte der Müller, weil er ein Schreien und Poltern hörte. Unglücklich dachte er an den armen Bären. Doch als er nach ihm sah, kam ihm das Pelztier putzmunter entgegen. Nur von dem Kobold war nichts mehr zu sehen. Der Bärenführer bedankte sich für die Unterkunft und zog von dannen.

Mehr  als ein Jahr lang blieb der Kobold verschwunden. Doch eines kalten Tages ging die Tür auf, und der unliebsame Hausgast stand wieder im Raum. Er rief: „Müller, ist die große schwarze Katze noch da?“ Da antwortete der Müller mit einem unterdrückten Lachen: „Ja, sie ist noch da. Und hat sieben Junge bekommen!“ Mit einem Schrei des Schreckens rannte der Kobold von dannen und ward – zur Freude des Müllers und seiner Gesellen – nie wieder gesehen.“

Sagen aus Hagen: Der Schleifkotten

„Früher gab es an der Ennepe nahe Hagen viele kleine Schleifwerkstätten, in denen Sensen, Sicheln, Schwerter und Messer hergestellt und nachgeschliffen wurden. Hierzulande wurden sie Schleifkotten genannt; große Wasserräder sorgten dafür, dass sich die Schleifsteine drehten.

In einem dieser Schleifkotten ging der Meister morgens zur Arbeit. Nachdem er das Wasserrad in Bewegung gesetzt hatte, griff er nach den Sensen und Sicheln – und griff ins Leere. Er suchte den ganzen Raum ab und fand sie schließlich aufgeräumt an einer Wand stehen: Sie waren bereits fertig geschliffen.

Lange Zeit überlegte er, wer diese Arbeit wohl erledigt hatte, fand jedoch keine Erklärung. Am nächsten Morgen ging es ihm ebenso: Alle Arbeit war schon getan, als er den Schleifkotten betrat. So ging es über viele Tage: Was er am Abend bereitgelegt hatte, war am Morgen glänzend und scharf geschliffen.

Das weckte mehr und mehr seine Neugierde. Und so beschloss er, sich des Nachts auf die Lauer zu legen. Er versteckte sich in einer Ecke und wartete ab. Bis plötzlich ein kleines Männchen mit langem Bart und roter Mütze den Raum betrat. Es setzte das Wasserrad in Gang und machte sich an die Arbeit.

Der Schleifermeister staunte nicht schlecht, so geschickt und schnell arbeitet das Männchen. Lange Zeit sah er ihm dabei zu. Doch dann schliefen ihm in seiner unbequemen Stellung die Beine ein. Vorsichtig veränderte er ihre Lage – und stieß dabei versehentlich gegen eine Eisenstange, die an der Wand lehnte und nun mit großem Gepolter umfiel.

Nun wusste der Zwerg, dass er beobachtet wurde. Wie der Blitz sprang er zur Tür und verschwand nach draußen. Seitdem ward er nie mehr gesehen. Und der Schleifermeister musste wieder alle Arbeit selbst machen.“

Sagen aus Hagen: Hoppetinken

„Im Tal der Läger, nahe bei Iserlohn, lebte einst eine Spinnerin, die war geschickt und fleißig, schön und klug. Und sie war bei allen Menschen sehr beliebt. Einer aber mochte sie besonders gerne: Das war ein Zwerg, der sich mit ihr angefreundet hatte. Er half ihr bei der Arbeit, so dass sie bald Fäden spann, die fein waren, zugleich aber auch ganz fest und nahezu unzerreißbar.

Aus ihren Fäden wurde das beste Tuch im ganzen Land gewebt. Als sich das herum sprach, kamen Aufträge von weit her. Die konnte sie nur mit der Hilfe des Zwerges bewältigen. Und so saßen abends beide beisammen und blickten zufrieden auf viele Rollen schimmernden Garns.

Es war ein solcher Abend, da hielt der Zwerg um ihre Hand an. Voller Dankbarkeit sagte sie ihm zu. Doch sie bereute es schon bald. Als ihre Freundinnen alle vor den Altar traten, wollte auch sie lieber einen richtigen Menschen heiraten. In dieser Zeit wurde sie immer ungeduldiger mit dem Zwerg, der doch so eifrig für sie arbeitete.

Tag für Tag fragte sie nun nach seinem Namen. Einmal sagte sie zu ihm: „Ich möchte doch wissen, wie ich als Ehefrau heißen werde.“ Doch der Zwerg schwieg beharrlich und wurde immer stiller und trauriger.“

Als er eines Tages wieder in ihre Stube trat, rief sie voller Zorn: „Nun sag mir endlich, wie dein Name lautet. Heißt du etwa Hoppetinken?“ Da wurde der Zwerg rot vor lauter Wut und schrie sie an: „Das hat dir der Teufel gesagt!“ Direkt danach wurde er wieder still und senkte traurig den Kopf. Er verließ schweigend die Stube, ging weit weg und kehrte niemals wieder zurück.“

Sagen aus Hagen: Das Wasserlose Tal

 

 

 

 

 

 

In der zweiten Sagen aus Hagen berichten wir, wie das Wasserlose Tal zu seinem Namen kam. Denn auch daran waren die Bergzwerge nicht unschuldig.

„Vor vielen Hundert Jahren lebten sie friedlich in diesem Tal und suchten in den Höhlen und Gängen nach Edelsteinen. Eines Tages wurden sie in ihrer Ruhe gestört: Ein gewaltiges Donnern und Krachen war zu hören – als ob die Welt untergehen würde. Doch die Ursache war eine ganz andere: Ein Riese näherte sich dem Tal. Er fand einen Bach, setzte sich an sein Ufer und trank genüsslich das klare, kühle Wasser. Er war so zufrieden, dass er laut verkündete: „Hier gefällt es mir! Hier bleibe ich!“

Das hörten die Zwerge gar nicht gern. Zumal sie befürchteten, dass nach dem einen Riesen noch andere  kommen würden. Vorsichtig näherten sie sich dem Eindringling und baten ihn, doch weiter zu ziehen. Jedoch ohne Erfolg. Im Gegenteil: Der Riese war über ihre Bitte so erbost, dass er Felsbrocken auf die armen Zwerge warf.

Nun war guter Rat gefragt. Die Zwerge setzten sich zusammen und grübelten. Schließlich hatte einer der ältesten eine Idee. Und die wurde sogleich in die Tat umgesetzt: Drei Tage lang hörte man unterirdisch ein emsiges Hämmern und Klopfen. Dann war es geschafft: Das Wasser des Baches floss nicht mehr über, sondern unter der Erde.

Am nächsten Tag kam der Riese und wollte wieder aus dem Bach trinken. Wie groß war sein Erstaunen, dass dort alles trocken und öde war. Wütend schimpfte er vor sich hin, wütend verließ er das Tal und war nimmermehr gesehen.

Die Zwerge aber freuten sich, dass sie nun wieder ihre Ruhe hatten und weiter nach Edelsteinen suchen konnten. Das Tal ist zwar seitdem wasserlos. Doch wer ganz genau hinhört, der kann in stillen Nächten ein leises Gluckern und Rauschen weit unter der Erdoberfläche hören.“