Die Rhein-Zeitung berichtet

Im Wiedtal bei den virtuellen Zwergen

Roßbach – Christa Becker hat mit einem kleinen Team von kreativen Köpfen das Spiel „Zwergenwelten“ für Android-Smartphones entwickelt. Einer der Spielestandorte? Ihre Heimat Roßbach.

Die Welt der Zwerge ist längst zu ihrer Leidenschaft geworden. Christa Becker liebt die Sagen und Mythen um die kleinen Männchen mit den roten Zipfelmützen. Während ihres Besuchs an der „Akademie för uns kölsche Sproch“ in Köln kam sie mit der Kulturgeschichte der Heinzelmännchen erstmals in Kontakt. Als Kuratorin betreut sie zurzeit noch bis Oktober in Hagen die Ausstellung „Zwergenwelten“. Jetzt hat die gebürtige Roßbacherin mit einem kleinen Team von kreativen Köpfen das gleichnamige Spiel für Android-Smartphones entwickelt.

Das Spiel verfügt über eine einfach zu bedienende Oberfläche.

Schützenhilfe bei der Umsetzung hat das Fraunhofer-Institut FIT für Angewandte Informationstechnik geleistet. „Das Institut hat die Technik dank eines deutsch-französischen Forschungsprojektes geliefert“, sagt Becker, die die Fragen und Ideen, den „Inhalt“, wie sie sagt, kreierte. Programmierer und Spieleentwickler bastelten derweil an der Software.

Und so funktioniert das mobile Quiz: „Es ist ortsbasiert und lässt sich somit auf verschiedene Orte übertragen“, erklärt Becker. Aus alter Heimatverbundenheit hat sie in ihrer ehemaligen Gemeinde Roßbach zwölf sogenannte GPS-Punkte gesetzt. Der Startpunkt ist an der Wiedhalle. In deren Umkreis hat Becker neun Fragen und drei Minispiele wie Puzzle, Gedächtnisspiel und virtuelle Zauberkugeln versteckt, die der Spieler auf seinem Smartphone lösen muss. Alles ähnelt ein wenig dem bereits bekannten Geocaching. Als lokale Orientierung dient die Flächenkarte bei Google Maps.

„Der Spieler markiert den blauen Punkt und er muss sich zu der roten Zipfelmütze bewegen“, erklärt Christa Becker. Ist er dort angelangt, stellt ihm ein Zwerg mit blauen Haaren, blauen Söckchen und mit gepunktetem Hemd auf dem Display eine Frage. Zum Beispiel: „Was ist Tinkerbell?“ Zwei Antworten stehen dann dem Spieler zur Auswahl: „Eine Fee“ oder „Eine Hexe“. Tippt er auf die richtige Lösung („Eine Fee“), erhält er vom Zwerg folgende Antwort auf dem Bildschirm: „Na klar, das ist richtig!“ Auch der Sachbezug kommt bei der Antwort nicht zu kurz. „Tinkerbell ist eine Fee, die Peter Pan bei seinen Abenteuern begleitet.“

Neben dieser kindgerechten Allgemeinbildung erhält der Spieler zusätzlich Punkte. Davon locken einem Alleswisser insgesamt 2400. „Konzipiert ist das Spiel für Kinder zwischen 6 und 14 Jahren“, sagt Christa Becker. „Die Kinder haben oftmals untereinander ein gemeinsames Wissen.“ Je nach Altersstufe verfügt „Zwergenwelten“ deswegen über drei Schwierigkeitsgrade.

„Anfangs war die Entwicklung des Spiels mehr oder weniger eine Marketinggeschichte für die Ausstellung in Hagen“, sagt Becker. Doch inzwischen ist das Interesse an dem Projekt schlagartig gestiegen. So zählen neben Roßbach an der Wied noch der Rheinpark und der Grüngürtel in Köln und Werdringen bei Hagen zu den Spielorten. Laut Becker sollen noch weitere Orte mit GPS-Punkten vorbereitet werden. „Mittlerweile fühle ich mich in der virtuellen Welt wie zu Hause“, sagt die Frau, die Germanistik, Geschichte und Pädagogik in der Domstadt Köln studiert hat. In ihrem Spiel kann sie nun jene Geschichten um Zwerge vollends ausleben.

Von unserem Reporter Carsten Liebfried